Vagusnerv
Einen wunderschönen, ruhigen Morgen. Das Sommerwetter zeigt sich heute von seiner sanften, angenehmen Seite. Kein Sturm, keine brennende Hitze – einfach eine tiefe, friedliche Stille. Und genau diese Ruhe spiegelt sich in unserem dritten Schwerpunkt der Folgen der Folgen der Folgen wider: Die tiefgreifende Entspannung und Regulation unseres Nervensystems.
Lass uns ein Experiment machen, das jeder von uns sofort und ohne Vorkenntnisse an sich selbst ausprobieren kann. Atme drei mal ganz tief durch den Bauchraum ein, halte kurz inne und lass den Atem langsam wieder ausströmen. Was spürst du? Sofort breitet sich eine subtile Welle der Erleichterung in deinem Körper aus. Warum ist das so? Weil die tiefe Atmung der direkteste, biologische Zugangscode zu deinem vegetativen Nervensystem ist.
Das Zusammenspiel von Gaspedal und Bremse
Unser Nervensystem funktioniert im Grunde wie ein Auto. Wir haben ein Gaspedal und eine Bremse:
- Der Sympathikus (Das Gaspedal): Dieser Teil bringt uns in Aktion, in die Bewegung, in den „Action-Modus“. Wenn wir arbeiten, uns konzentrieren oder einer Gefahr gegenüberstehen, drückt der Sympathikus das Gaspedal durch. Das Problem in unserer modernen Gesellschaft ist: Wir können das Gasgeben extrem gut. Die meisten Menschen stehen im Alltag permanent mit dem Vollgas-Fuß auf dem Pedal. Sie rasen mit 200 km/h durch ihr Leben, ohne jemals in den Leerlauf zu schalten. Auch in ihrer Freizeit gehen viele nicht vom Gas: der wilde Aktionismus geht weiter. Kurz etwas Essen, dann geht es noch zum Sport, 10000 Schritte erreicht, alles ist gut. Aber hierbei kann selbst die ZEN-Meditation zum Aerobic-Kurs und Leistungssport im Jahre 2026 mutieren.
- Der Parasympathikus & Vagusnerv (Die Bremse): Hier kommt unser wichtigster Ruhe- und Erholungsnerv ins Spiel: der Vagusnerv. Er ist der Hauptakteur des parasympathischen Nervensystems. Er sorgt dafür, dass die Herzfrequenz sinkt, der Blutdruck reguliert wird und der Körper auf „Erholung und Reparatur“ umschaltet.
Wenn du tief und bewusst atmest, tust du nichts anderes, als im Nervensystem voll auf die Bremse zu treten. Du signalisierst deinem gesamten Organismus: „Der Sturm ist vorbei. Du darfst jetzt runterfahren.“
Die Magie des verlängerten Ausatmens: Die 4-6-Methode
Ein ganz entscheidender physiologischer Hebel, um den Vagusnerv gezielt anzusteuern, liegt im Verhältnis zwischen Ein- und Ausatmung. Wenn wir länger ausatmen als einatmen, schaltet das Gehirn sofort in den Entspannungsmodus. Das Zwerchfell entspannt sich, und die Organe bekommen Raum.
Hier ist eine einfache, aber hochwirksame Atem-Übung für deinen Alltag, die du überall praktizieren kannst – egal ob im Büro, im Stau oder vor dem Einschlafen:
- Atme durch die Nase ein und zähle im Geist langsam bis vier (1, 2, 3, 4). Der Bauch wölbt sich sanft nach außen.
- Atme entspannt durch den leicht geöffneten Mund aus und zähle dabei bis sechs (1, 2, 3, 4, 5, 6). Lass den Atem einfach ohne Druck entweichen.
- Wiederhole diesen Rhythmus für einige Minuten.
Einatmen (Nase): [ 1 ] [ 2 ] [ 3 ] [ 4 ]Ausatmen (Mund): [ 1 ] [ 2 ] [ 3 ] [ 4 ] [ 5 ] [ 6 ] ➔ Vagusnerv aktiviert!
Durch das längere Ausatmen wird das parasympathische System sofort aktiv. Und was sind die Folgen der Folgen dieses Zustands? Wenn der Parasympathikus die Führung übernimmt, starten im Körper lebenswichtige Prozesse, die im Stressmodus komplett blockiert sind: Deine Verdauung wird aktiviert, die Zellen beginnen mit der Entgiftung, und die körpereigenen Reparatur- und Regulationsmechanismen laufen auf Hochtouren. Geistige und körperliche Nahrung kann nun erst wirklich verdaut und integriert werden.
Lerne dein System zu steuern
Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass wir aufhören, uns als hilflose Opfer unseres Stresses zu fühlen. Du hast die Kontrolle!
Wenn du tiefer in dieses Thema eintauchen und lernen willst, wie du dein Nervensystem gezielt steuerst, besuche mich gerne in meinen Kursen (wie z. B. „beAt“). Dort lernen wir gemeinsam, wie wir die Bremse und das Gaspedal unseres Körpers meisterhaft bedienen können.
Probiert die 4-6-Atmung heute aus und gebt mir gerne eine Rückmeldung, wie schnell euer System darauf anspringt.
Alles Gute, euer Jürgen
